Sofortverweise:

Hauptinhalt:

Bericht zur Fête de la Musique 2021

Foto: Das Duo Radio Django bei der Fete de la Musique 2021 im Pangea-Haus.

Tag der offenen Tür des Pangea-Hauses – Fête de la Musique 2021 – Vielfalt klingt so schön

 

Auch 2021 veranstaltete das Pangea-Haus seinen Tag der offenen Tür zeitgleich zur Fête de la Musique, pandemiebedingt jedoch nur online. Neben fünf Bands stellten sich neue und alte Mieter mit kurzen Videos vor unter dem Motto: Vielfalt klingt so schön.

 

Vermutlich gibt es kein schöneres Mittel als Musik, um Integration zu vermitteln: Man achtet auf die Melodien und Klänge, nicht auf die Herkunft der Musiker:innen. Seit 2017 setzt das Pangea-Haus auf diese einfache Idee, die 2019 in einem rauschenden Fest auf dem Nikolsburger Platz mit über 800 Besuchern gipfelte. Im ersten und zweiten Corona-Jahr nahm man leider mit einem Video-Stream Vorlieb, was neben vielen Nachteilen einen Vorteil hat: Die Veranstaltungen sind jederzeit online nachsehbar, hier verlinkt ist die Ausgabe 2021 (YouTube).

Den Reigen von fünf Acts, gleichzeitig eine Reise durch die Kontinente, leitete eine Percussion- und Capoeira-Performance vom neuen Pangea-Haus-Mieter Iêalembrasil ein (Minute 2:45 bis 38). Der Verein bringt unter der Leitung von Mestre Pim-Pim und Ornella Cardoso das afrobrasilianische Kulturgut nach Deutschland. Es folgte Jasmine, eine Singer-Songwriterin aus Montréal in Kanada, das Land in dem rund 50 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat (00:40 bis 1:06). In fünf Songs zeigte sie das Ausmaß ihres Könnens und ihre sensationelle Stimme, ein französischer Song inklusive.

Nach Musiker:innen aus Süd- und Nord-Amerika folgte eine Kombo aus Europa, Radio Django, die Jazz-Manouche vom Feinsten boten (1:10 bis 1:30). Janko Lauenberger an der Gitarre und Daniel Weltlinger an der Violine huldigten der musikalischen Legende Django Reinhardt, und kamen ihrem Namensgeber zum Hören nah. Vermittelt wurde die Band durch die Hildegard-Lagrenne-Stiftung, eine weitere Neumieterin des Pangea-Hauses, die sich für die Bildung von jugendlichen Roma und Sinti in Deutschland einsetzt. Wie genau, das erläuterte deren Geschäftsführer im Interview (1:32:46 bis 1:35).

Die nächste Station der musikalischen Reise führte nach Zentralasien, genauer, nach Afghanistan. Ustad Ghulam Hussein, Großmeister des Rubabs, ein Vorgänger der Laute, auch Instrument der Seele genannt, gab einen Einblick in die klassische afghanische Musik (1:36 bis 2:00). Den Titel Ustad, oder Großmeister, darf man frühestens nach zwanzig Jahren Praxis führen, wie im Interview der Vorsitzende des Vereins Gafca erklärte, Samad Sharif. Die German Association for Central Asia e. V. ist ebenfalls neuer Mieter im Pangea-Haus und vermittelte den Großmeister.

Husseins rhythmischer Begleiter, der Iraner Siamak Moggadem, zeigte in seinem nachfolgenden Solo-Act seine virtuose Beherrschung des Dafs. Auf den ersten Blick wirkt dieses auf den Unbedarften wie ein überdimensioniertes Tamburin, doch wer es so kunstvoll wie Moggadem spielt, kann ein ganzes Percussion-Ensemble eigenhändig evozieren. Ein langjähriger Mieter des Pangea-Hauses, MIQ, hatte den Musiker vermittelt. MIQ bietet Sprachkurse und Qualifizierungsmaßnahmen für Geflüchtete an.

Durch die Video-Fête de la Musique führten die Moderator:innen Elisa Wüstenhagen, die seit Anfang des Jahres die Koordinationstelle des Pangea-Haus e.V. innehat, begleitet von Adrian Garcia-Landa, Mitglied im fünfköpfigen Vorstand des Vereins seit 2016. Für 2022 bleibt zu hoffen, dass ein gewisses Virus, das vor Grenzen nicht den geringsten Halt macht, endlich wieder mal einen Tag der offenen Tür live erlaubt. Das wäre dann am 21. 6. 22, auf dem Nikolsburger Platz, so Corona will.